Das Weitinger Heimatbewusstsein gestärkt

Im Jahre 1980 fing alles klein an
„Brauchtum wiederbelebt“ oder „Sichelhenke auf originelle Art gefeiert“ lauteten die Zeitungsschlagzeilen zu den ersten „Weitinger Heimattagen“ im Jahre 1980. Das Fest schlug im September 1980 tatsächlich „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ ein und hatte bereits zum Auftakt einen Riesenerfolg zu verzeichnen. Der Dorfplatz war von Besuchern überfüllt. Mit der großen Resonanz hatte niemand gerechnet. Auftakt war am Samstag mit einem schwäbischen Heimatabend im „Adler“. Einheimische Talente trugen Lieder, Gedichte, Geschichten und Anekdoten mit hintergründigem Humor vor.
 
Der Sonntag wurde beherrscht vom Dreschen mit Dreschflegeln und dem Einzug der 70 Reiter von Schloss Weitenburg, die vereinbarungsgemäß ihre Hubertusjagd mit einem Besuch des „Hoametfeschts“ verbanden. Ein festlich geschmückter Dorfplatz mit Erntefrüchten und landwirtschaftlichen Geräten sorgten von Anfang an für die besondere Atmosphäre, die die Heimattage stets durchzogen.
 
Doch eine „Marktlücke“, wie teilweise anerkennend geäußert wurde, wollten die Initiatoren nicht unbedingt entdecken. Ihr Ansinnen hatte mit der Förderung des Heimatgedankens und des Bewusstseins für die verantwortungsbewusste Gestaltung des eigenen Lebensraumes tiefere Beweggründe. Wenn die Geselligkeit auch nicht zu kurz kommt, ein Vergnügungsverein wollte die „Hoamet“ nie sein, es steckt mehr dahinter: Heimatgeschichte und Denkmalschutz, das Sammeln alter Gerätschaften und Dokumente, eigene Publikationen und die Mitwirkung bei heimatgeschichtlichen Veröffentlichungen.
 
Rückwirkend kann mit Überzeugung ein erfreuliches und erfolgreiches Fazit gezogen werden. Die „Weitinger Heimattage mit Sichelhenke“ haben sich etabliert, genießen große Beliebtheit in weitem Umkreis und sind zu einem Aushängeschild für Weitingen geworden, ein echtes „Hoametfescht“, das den Heimatgedanken und das Heimatbewusstsein mit allen positiven Auswirkungen gefördert und gestärkt hat. Jedes Jahr findet sich nämlich auch eine große Anzahl ehemaliger Weitinger in ihrer alten Heimat ein, um Verwandte, Freunde und Bekannte zu treffen. Längst haben die Leitgedanken, die zur Gründung des Förderkreises „Weitinger Hoamet“ und der „Weitinger Heimattage“ geführt haben, auch andernorts als Vorbild gedient und viele Nachahmer gefunden.

Schon einige Zeit vor der Gründung trafen sich regelmäßig an der Orts- und Heimatgeschichte interessierte Personen zu einem Gesprächskreis mit dem inzwischen verstorbenen Historiker Dr. Siegfried Krezdorn, privat oder auf Schloss Weitenburg. Auf Initiative von Hermann Nesch, der seit der Gründung den rund 100 Mitglieder zählenden Verein als Vorsitzender führt, firmierte sich die Gruppe im August 1980 unter der  Bezeichnung Förderkreis „Weitinger Hoamet“. Der Name sollte zugleich Programm sein und die Ziele verdeutlichen. Erstes konkretes Ziel war die Erhaltung des vor dem Abbruch stehenden kleinen landwirtschaftlichen Anwesens mit der Dorfschmiede von Andreas Gaus mitten im Flecken. Aus versicherungs- und entschädigungsrechtlichen Gründen konnte das Projekt aber nicht verwirklicht werden. Dafür konnte auf Betreiben der „Hoamet“ die 1274 erstmals urkundlich erwähnte Weitinger Mühle vor dem Abbruch bewahrt und unter Denkmalschutz gestellt werden.
 
Außerdem wurde Weitingen auf Antrag des Förderkreises in den 80er-Jahren ins Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen. Im Zuge des damals schon aktuellen Ausbaus der Ortsdurchfahrt sollte ein Kahlschlag verhindert werden. Der Ausbau der Ortsdurchfahrt verzögerte sich aber. Damals eine ärgerliche Sache. Heute jedoch hat Weitingen einer der schöneren Ortsdurchfahrten der Umgebung, die als gelungenes Werk der Dorfentwicklung bezeichnet werden kann.